Faszination Gangpferde
 

Die Welt der Gangpferde ist bunt und anspruchsvoll.

Die bekanntesten Gangpferde in Deutschland sind wohl die Islandpferde. Sie haben ein Stockmaß zwischen 130 und 145 cm und werden aufgrund der Größe in Deutschland als „Pony“ geführt. In nordischen Ländern, wo die Menschen meist sogar deutlich größer sind als in Mittel- oder Südeuropa, ist es ganz normal, dass große Erwachsene auf kleinen leistungsstarken Pferden unterwegs sind. Das Besondere am Islandpferd sind seine angeborenen Gangarten Tölt (Viergänger) und bei einigen auch der Rennpaß (Fünfgänger), die es zusätzlich zu den Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp beherrscht. Ein Islandpferd korrekt zu reiten, ist aufgrund der zusätzlichen Gangarten, genauso eine  Herausforderung, wie das Ausführen anspruchsvoller Dressurlektionen, wobei von einem Islandpferd in der Regel keine Piaffe oder Passage erwartet werden sollte.

Die Paso Finos aus Kolumbien, Paso Peruanos aus Peru, Mangalarga Marchadores aus Brasilien haben aufgrund ihrer iberischen Vorfahren eine gute Dressurbegabung. Aber es gibt noch so viele weitere Gangpferde, wie z.B. die American Saddlebred, Töltende Traber u.a., deren Ausbildung und Förderung des vierten Ganges unter dem Reiter in klarem Takt, mit ansprechender Aktion, harmonischem Ausdruck und korrekter Haltung eine anspruchsvolle Aufgabe darstellt.

Prinzipiell hilft konsequente gymnastizierende Dressurarbeit den Gangpferden bei der Verbesserung der Beweglichkeit und Durchlässigkeit. Erst wenn alle Grundgangarten, Schritt, Trab und Galopp taktrein und einwandfrei auch auf Zirkelbiegungen und in unterschiedlichen Tempi gefestigt und leicht abrufbar sind, kommen die nächsten Übungen. Weiterführende Lektionen, wie Seitengänge sollen in der Folge die Beweglichkeit verbessern und den Takt festigen.

Da der Tölt eine Gangart ohne Sprung- oder Schwebephase ist, in der sich diagonale und laterale Zweibeinstützen mit Einbeinstützen abwechseln, ist er für das junge Pferd unter dem Reiter sehr anstrengend. Eine gut aus- und aufgebaute Rückenmuskulatur bei korrekt aufgewölbtem Rücken und in guter Aufrichtung und Kopfhaltung sind Grundvoraussetzungen. Diese erreichen wir durch konsequenten Muskelaufbau und Lernen der Hilfen in der klassischen Dressur. Der Tölt ist genetisch verankert und nach sorgfältiger Grundausbildung und Dressurarbeit bekommt man ihn fast geschenkt. Wichtig bei dieser Arbeit sind immer wieder Pausen in Dehnungshaltung.

Wenn das Pferd die Hilfen verstanden und die Tragkraft entwickelt hat, kann man den Tölt herausreiten: taktklar, in korrekter Kopf- und Halshaltung und mit tragendem Rücken. Besonders am Anfang einer Ausbildung braucht alles seine Zeit. Es lohnt sich, jedem Pferd diese Zeit auch zu geben.